12. Okt 2026

Ausdehnungsgefäss richtig wählen (Heizung und Warmwasser)

Vases d'expansion à membrane pour le chauffage, en plusieurs tailles

Kurz gesagt: Ein Ausdehnungsgefäss nimmt die Volumenzunahme des Wassers beim Erwärmen auf. Um das richtige Gefäss zu wählen, müssen Sie wissen, wofür es dient (Heizung oder Trinkwarmwasser), wie viel Wasser die Anlage enthält und mit welchem Druck sie arbeitet. Ein zu kleines oder falsch vorgespanntes Gefäss lässt den Druck steigen und das Sicherheitsventil tropfen.

Wozu dient ein Ausdehnungsgefäss?

Wasser dehnt sich beim Erwärmen aus: Zwischen 10 °C und 70 °C nimmt sein Volumen um etwa 2,2 % zu, bis 90 °C um etwa 3,5 %. In einem geschlossenen Kreislauf muss dieses zusätzliche Wasser irgendwohin. Das Ausdehnungsgefäss nimmt es auf: Es enthält eine Membran, mit Wasser auf der einen Seite und einem Gas unter Druck (Stickstoff oder Luft) auf der anderen. Wird das Wasser warm, drückt es die Membran zurück; kühlt es ab, schiebt das Gas es wieder in den Kreislauf.

Ohne Gefäss oder mit einem defekten Gefäss steigt der Druck bei jedem Heizzyklus, bis das Sicherheitsventil öffnet, und fällt wieder, wenn die Anlage abkühlt. Die Folge: Wasserverlust, häufiges Nachfüllen und ein schnellerer Verschleiss der Anlage.

Heizungs- oder Trinkwassergefäss: nicht verwechseln

  • Heizungsgefäss: für den geschlossenen Kreislauf von Heizkörpern oder Fussbodenheizung. Beispiele: Reflex N, Zilmet Zilflex H, Varem Extravarem LR.
  • Trinkwassergefäss: für Trinkwasser, das in einem Wassererwärmer oder Boiler erhitzt wird. Es muss für Trinkwasser zugelassen sein und dem Netzdruck standhalten. Durchströmte Modelle, bei denen das Wasser durch das Gefäss fliesst, vermeiden stehendes Wasser und sind aus hygienischen Gründen zu bevorzugen. Beispiele: Reflex Refix DD, Flamco Airfix A, Zilmet Hydroflex.

Gut zu wissen: Heizungsgefässe sind oft rot oder grau, aber das ist keine Regel (manche sind weiss). Prüfen Sie immer den Einsatzzweck auf der Produktseite. Ein Heizungsgefäss darf nie für Trinkwasser verwendet werden.

Welche Grösse für die Heizung?

Die Grösse hängt von drei Dingen ab: der Wassermenge in der Anlage, der maximalen Wassertemperatur und dem Ansprechdruck des Sicherheitsventils.

1. Wasserinhalt der Anlage schätzen

Wenn Sie ihn nicht kennen, hier die üblichen Richtwerte pro kW Heizleistung:

Art der AnlageUngefährer Wasserinhalt
Konvektorenetwa 5 Liter pro kW
Plattenheizkörperetwa 9 Liter pro kW
Moderne Heizkörperetwa 11 Liter pro kW
Alte Heizkörper (Schwerkraftheizung)etwa 13 Liter pro kW
Fussbodenheizungetwa 20 Liter pro kW

Rechnen Sie den Inhalt eines allfälligen Pufferspeichers dazu: Bei einer Wärmepumpe macht er oft den grössten Unterschied.

2. Vordruck einstellen

Der Gasdruck im Gefäss (Vordruck) ergibt sich aus der Wasserhöhe über dem Gefäss:

Vordruck (bar) = Höhe zwischen Gefäss und höchstem Punkt der Anlage (m) ÷ 10 + 0,2 bis 0,3 bar, mindestens 0,7 bar.

Beispiel: Gefäss im Keller, höchster Heizkörper 7 m darüber → 0,7 + 0,3 = 1,0 bar. Gefässe werden oft mit 1,5 bar Vordruck geliefert: Passen Sie den Vordruck an, bevor das Gefäss mit Wasser gefüllt wird.

Der Fülldruck der Anlage muss danach im kalten Zustand mindestens 0,3 bar über dem Vordruck liegen (im Beispiel: 1,3 bar oder mehr).

3. Gefässvolumen berechnen

Installateure verwenden folgende Formel:

Gefässvolumen = (Ausdehnungsvolumen + Wasservorlage) × (Enddruck + 1) ÷ (Enddruck − Vordruck)

  • Ausdehnungsvolumen = Anlagenvolumen × 2,2 % (Wasser höchstens 70 °C) oder × 3,5 % (90 °C).
  • Wasservorlage = 0,5 % des Anlagenvolumens, mindestens 3 Liter.
  • Enddruck = Ansprechdruck des Sicherheitsventils − 0,5 bar, also 2,5 bar bei einem 3-bar-Ventil.

Konkretes Beispiel

Haus mit modernen Heizkörpern, 12 kW, Wasser höchstens 70 °C, Sicherheitsventil 3 bar, höchster Heizkörper 7 m über dem Gefäss:

  • Anlagenvolumen: 12 kW × 11 l/kW ≈ 130 Liter
  • Ausdehnungsvolumen: 130 × 2,2 % ≈ 2,9 Liter, plus Wasservorlage von 3 Litern = 5,9 Liter
  • Vordruck: 1,0 bar; Enddruck: 2,5 bar
  • Gefässvolumen: 5,9 × (2,5 + 1) ÷ (2,5 − 1,0) ≈ 14 Liter

Gewählt wird die nächstgrössere Standardgrösse: ein 18-Liter-Gefäss. Heizt der Kessel bis 90 °C, ergibt dieselbe Rechnung etwa 17,5 Liter: Ein 18-Liter-Gefäss reicht knapp, ein 25-Liter-Gefäss lässt Reserve.

Ein etwas grösseres Gefäss ist kein Problem, ein zu kleines dagegen lässt das Sicherheitsventil tropfen. Im Zweifel die nächste Grösse wählen. Bei grossen Anlagen, Mehrfamilienhäusern oder Wärmepumpen mit grossem Pufferspeicher sollte die Berechnung von einer Fachperson geprüft werden.

Welche Grösse für Trinkwarmwasser?

Hier nimmt das Gefäss die Ausdehnung des Wassers im Wassererwärmer auf (etwa 1,7 % zwischen 10 °C und 60 °C). Die Grösse hängt vom Speicherinhalt, vom Netzdruck nach dem Druckreduzierventil und vom Sicherheitsventil ab (bei Wassererwärmern oft 6 bar).

  • Vordruck = Druck des Druckreduzierventils − 0,2 bar. Trinkwassergefässe werden oft mit 3 oder 4 bar Vordruck geliefert: vor der Inbetriebnahme prüfen und anpassen.
  • Enddruck: höchstens 80 % des Ansprechdrucks des Sicherheitsventils, also 4,8 bar bei einem 6-bar-Ventil.

Berechnetes Mindestvolumen bei 60 °C Wassertemperatur und einem 6-bar-Sicherheitsventil:

SpeicherinhaltNetzdruck 3 barNetzdruck 4 bar
150 Liter9 Liter19 Liter
200 Liter11 Liter25 Liter
300 Liter17 Liter38 Liter

Wählen Sie die nächstgrössere handelsübliche Grösse. Wie Sie sehen: Je näher der Netzdruck am Ansprechdruck des Sicherheitsventils liegt, desto grösser muss das Gefäss sein. Wird das Druckreduzierventil auf 3 statt 4 bar eingestellt, genügt ein etwa halb so grosses Gefäss.

Anzeichen für ein defektes Ausdehnungsgefäss

  • Der Druck am Manometer steigt beim Heizen stark an, bis gegen 3 bar.
  • Das Sicherheitsventil tropft oder öffnet regelmässig.
  • Der Druck fällt im kalten Zustand ab und Sie müssen oft Wasser nachfüllen.
  • Beim Drücken des Gasfüllventils tritt Wasser aus: Die Membran ist defekt und das Gefäss muss ersetzt werden.

Oft hat das Gefäss einfach Vordruck verloren: Nachfüllen genügt. Ist die Membran defekt, muss es ersetzt werden.

Ihr Sicherheitsventil tropft? Siehe auch unseren Ratgeber Sicherheitsventil der Heizung tropft: Ursachen und Lösungen.

Gefäss einmal pro Jahr prüfen

Der Vordruck nimmt mit der Zeit langsam ab. Die Hersteller empfehlen eine jährliche Kontrolle, am besten vor der Heizsaison:

  1. Gefäss mit der Absperrarmatur von der Anlage trennen und wasserseitig entleeren.
  2. Den Druck am Ventil mit einem Druckprüfer messen.
  3. Bei Bedarf mit einer Pumpe oder einem Nachfüllspray nachfüllen, dann die Armatur wieder öffnen.

Wenn Sie sich bei diesen Arbeiten unsicher fühlen, überlassen Sie sie einer Fachperson.

Gefäss richtig montieren

  • Montieren Sie ein Kappenventil mit Entleerung zwischen Gefäss und Anlage, zum Beispiel ein CALEFFI-Kappenventil. So lässt sich das Gefäss prüfen oder ersetzen, ohne die ganze Anlage zu entleeren, und die Kappe verhindert ein versehentliches Schliessen.
  • Bei der Heizung wird das Gefäss im Rücklauf angeschlossen, nahe beim Kessel oder bei der Wärmepumpe, idealerweise saugseitig der Umwälzpumpe.
  • Zeit sparen Sie mit einer Anschlussgruppe, die Absperrung, Sicherheitsventil und Anschlüsse in einem Bauteil vereint.

Häufige Fragen

Welche Grösse für ein Einfamilienhaus?

Für ein Haus mit Heizkörpern und 10 bis 15 kW Leistung passt in der Regel ein Heizungsgefäss von 18 bis 25 Litern. Mit Wärmepumpe und Pufferspeicher ist der Wasserinhalt grösser: Rechnen Sie oft mit 25 bis 50 Litern. Bestätigen Sie den Wert mit der Berechnung oben.

Kann man ein Heizungsgefäss für Trinkwasser verwenden?

Nein. Ein Trinkwassergefäss hat eine für Trinkwasser zugelassene Membran und einen Korrosionsschutz. Ein Heizungsgefäss ist dafür nicht ausgelegt.

Reicht das im Heizgerät eingebaute Gefäss nicht?

Viele Wandheizgeräte haben ein kleines eingebautes Gefäss, oft um die zehn Liter. Es reicht für die vom Hersteller vorgesehene Anlage, aber nicht immer, wenn die Anlage erweitert oder ein Pufferspeicher ergänzt wurde. Dann wird ein zusätzliches Gefäss montiert.

Wie oft sollte der Vordruck geprüft werden?

Einmal pro Jahr, am besten vor der Heizsaison.

Das passende Ausdehnungsgefäss finden

Hier finden Sie alle unsere Ausdehnungsgefässe und Zubehör (Armaturen, Halterungen, Anschlussgruppen) sowie unsere Sicherheitsventile und Manometer.

Die Berechnungen in diesem Ratgeber folgen den Methoden der Normen EN 12828 (Heizung) und DIN 4807-5 (Trinkwasser). Sie liefern einen verlässlichen Richtwert für ein Einfamilienhaus, ersetzen aber bei grossen Anlagen nicht die Berechnung durch eine Fachperson.

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